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Von Worten & Taten

„Wer etwas zu sagen hat, der stehe auf und schweige!“ – Es gibt offenbar Zitate, die nicht erst gegoogled müssen, um sie als ideologische Verblendung enttarnen zu können.

Ein Zitat, das im Übrigen verhängnisvoller zu wirken vermag, als sein vergleichsweise harmloses Geschwisterchen der zur Genüge gewechselten Worte, denen endlich Taten zu folgen haben.

 

Nichts (mehr) sagen, schweigen, aber aufstehen: Edle Tat vor eitlem Geschwätz: ein „Ranking“, das sich selbst entlarvt: nämlich als hohl bis anti-intellektuell-faschistisch. Und nicht nur Wittgenstein weiß, dass nichts existiert ohne Begriff seiner selbst.

 

Keine Wahrnehmung ohne Begriff. Mehr noch: ohne begriffliches Begreifen des Phänomens bleibt das Phänomen ein Phantom.  Eine Schimäre. Ein Hirngespinst.

Also doch und trotz “unserem” Faust: Am Anfang war das Wort. Denn es ist – ,nur‘ gedacht oder laut ausgesprochen – Basis jeden Handelns. Und selbst das irrationalste Handeln auf dem Spielplatz der Moderne und Postmoderne ist immer nur die Kehrseite bürgerlich-aufgeklärter Rationalität. Basta.

 

Die Genesis hat also doch recht. Trotz Goethe. Das Wort kann sehr wohl Waffe sein; doch erst der Schuss aus ihrem Lauf wirkt tödlich. Der Mord als Tat (Vor-Gang) wird als Formulierung der gedanklichen (verbalen) Idee erst physisch real und (eigentümlich) wahrnehmbar.

 

Am Eingang zum Kleinen Haus der Stuttgarter Staatstheater hängt eine Tafel, auf der geschrieben steht:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und Wolf Biermann singt 1975 in seiner „Bibel-Ballade“:

„ …  das weiß ich doch selber: der Knüppel, du Krüppel der arme Knüppel, der kann nichts dafür.

Und trotzdem! es ist ja der dreimal verfluchte der Knüppel, den ich auf dem Rücken spür …“

 

„Wer etwas zu sagen hat, der stehe auf und schweige.“ Das heißt doch nichts anderes als:

Genug geschwätzt! Lasst uns endlich reinschlagen – in die Fresse der Geschwätzigkeit, des ewigen Disputs, der Streitkultur, der Diskussion, des Diskurses, des Parlamentarismus, der Exegese, der Linguistik, der Philosophie, der Literatur, der Kunst, der Intellektuellen, der Wissenschaftler.

Schlachtfeld statt Quasselbude. Jawoll.

Wehret den Anfängen! Jawoll!

(Und zwar immer dann, wenn am Anfang nicht das Wort, sondern – wieder einmal – die Tat zu stehen habe.)

 

Albrecht Schnepf



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