Sprachwelten

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Gefördert durch das Land Baden-Württemberg, durch die Stabsstelle Integration, Heilbronn, iniitiert von der Stadtbibliothek Heilbronn, in Zusammenarbeit mit diversen privaten und öffentlichen Institutionen wird das Projekt 'Sprachwelten' realisiert. Es besteht aus verschiedenen Veranstaltungen, die zwischen September und Dezember 2012 dem Publikum vorgestellt werden. Ziel des Projektes ist, den Wandel von Sprache vor dem Horizont der Globalisierung sichtbar zu machen. Nicht nur die Mobilität der Menschen verändert unsere Sprachen; auch der Umgang mit dem Internet genauso wie ihr Umbau durch die Unternehmen beeinflussen sie. All diese Aspekte sollen hier berücksichtigt werden.

Wort & Tat – Sprachlosigkeit macht aus Phänomenen Phantome vom 9. Oktober 2012

„Wer etwas zu sagen hat, der stehe auf und schweige!“

 

Es gibt offenbar Zitate, die nicht erst gegoogled müssen, um als ideologische Verblendung enttarnt zu werden.

Ein Zitat übrigens, das verhängnisvoller zu wirken vermag, als sein vergleichsweise harmloses Geschwisterchen der zur Genüge gewechselten Worte, denen endlich Taten zu folgen haben.

 

Nichts (mehr) sagen, schweigen, aber aufstehen: Edle Tat vor eitlem Geschwätz: ein „Ranking“, das sich selbst entlarvt: nämlich als hohl bis anti-intellektuell-faschistisch. Und nicht nur Wittgenstein weiß, dass nichts existiert ohne den Begriff seiner selbst.

 

Keine Wahrnehmung ohne Begriff. Mehr noch: ohne begriffliches Begreifen des Phänomens bleibt das Phänomen ein Phantom, Schimäre, Hirngespinst.

Also doch und trotz Faust: Am Anfang war das Wort. Denn es ist – ,nur‘ gedacht oder laut ausgesprochen – Basis jeden Handelns. Das irrationalste Handeln im Spielraum der Moderne und Postmoderne ist nur die Kehrseite bürgerlich-aufgeklärter Rationalität. Basta.

 

Die Genesis hat also doch recht. Trotz Goethe. Das Wort kann sehr wohl Waffe sein; doch erst der Schuss aus ihrem Lauf wirkt tödlich. Der Mord als Tat (Vor-Gang) wird als Formulierung der gedanklichen (verbalen) Idee erst physisch real und (eigentümlich) wahrnehmbar.

 

Am Eingang zum Kleinen Haus der Stuttgarter Staatstheater hängt eine Tafel, auf der geschrieben steht:

 

 

 

 

 

 

 

Und Wolf Biermann singt 1975 in seiner „Bibel-Ballade“:

„ …  das weiß ich doch selber: der Knüppel, du Krüppel der arme Knüppel, der kann nichts dafür.

Und trotzdem! es ist ja der dreimal verfluchte der Knüppel, den ich auf dem Rücken spür …“

 

„Wer etwas zu sagen hat, der stehe auf und schweige.“ Das heißt doch nichts anderes als:

 

Genug geschwätzt! Lasst uns endlich reinschlagen – in die Fresse der Geschwätzigkeit, des ewigen Disputs, der Streitkultur, der Diskussion, des Diskurses, des Parlamentarismus, der Exegese, der Linguistik, der Philosophie, der Literatur, der Kunst, der Intellektuellen, der Wissenschaftler.

 

Schlachtfeld statt Quasselbude. Jawoll.

 

Wehret den Anfängen! Jawoll!

 

(Und zwar immer dann, wenn am Anfang nicht das Wort, sondern – wieder einmal – die Tat zu stehen habe.)

 

Albrecht Schnepf

www.schreibcraft.de



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